Immunsystem als Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch

Unser Immunsystem schützt uns vor körperfremden Organismen. Es werden z.B. Bakterien, Pilze und Viren von den weißen Blutkörperchen erkannt, als fremd identifiziert und bekämpft. Die Samenzellen des Mannes sind für den weiblichen Körper ebenso fremd. Verschmelzen bei der Befruchtung Eizelle und Samenzelle miteinander, entsteht die sog. Zygote. Diese beginnt sich zu teilen, d.h. die Zelle verdoppelt sich alle paar Stunden. Jede so entstehende Zelle enthält ab diesem Zeitpunkt sowohl Erbgut der Mutter als auch Erbgut des Vaters. Die Zellen tragen dadurch Merkmale, die für den weiblichen Körper zur Hälfte fremd sind. Der sich entwickelnde Embryo wird für den mütterlichen Körper zu einem Allotransplantat (Transplantat eines anderen Individuums der gleichen Spezies).

Ein gesundes Immunsystem kann über sogenannte „Gefahrensignale“ erkennen, ob eine Bekämpfung der fremden Zellen erforderlich ist oder nicht. Wenn die CD4+ T-Zellen des weiblichen Immunsystems zusätzlich zu dem Kontakt mit dem fremden, väterlichen Merkmal (Antigen) ein Gefahrensignal erhalten, dann werden diese vollständig aktiviert und beginnen den Eindringling zu bekämpfen.

Liegen keine Gefahrensignale vor, werden die CD4+ T-Zellen des weiblichen Immunsystems nur teilweise aktiviert und zu sogenannten regulatorischen T-Zellen. Diese sorgen für eine Toleranz des mütterlichen Immunsystems gegenüber dem Embryo. Die regulatorischen T-Zellen verhindern also eine Bekämpfung des Embryos durch das mütterliche Immunsystem. Ein Mangel an Anzahl oder Funktionalität der regulatorischen T-Zellen führt zu einer Fehlreaktion des Immunsystems und somit zur Abstoßung des Embryos. Es kommt zum Abort.

Allergische oder autoimmune Vorerkrankungen können ebenfalls einen Einfluss auf das Toleranzpotential des Immunsystems haben. Zur Untersuchung und Einschätzung der Funktionalität und Aktivität des Immunsystems bei unerfülltem Kinderwunsch wird eine besondere immunologische Diagnostik empfohlen.

Mit Hilfe des so erhobenen Befundes kann dann eine ganz individuelle Therapieempfehlung gegeben und durch eine engmaschige Überwachung in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft diese bei Bedarf angepasst werden. Die Schwangerschaft kann mit Hilfe dieser sog. Immunmodulation aufrechterhalten werden und die Geburt eines gesundes Kindes wird möglich.